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Historisches

Unser Chor feierte 2003 sein 110-jähriges Jubiläum.

Ein guter Anlaß zurückzuschauen, wie damals alles begann:

Der älteste Hinweis auf die Existenz des evang. Kirchenchores geht aus einem Eintrag im Kirchenalmosenfond der Jahre 1890/91 hervor. Dort ist zu lesen:

"Auf Grund des Erlasses des ev. Oberkirchenrates vom 27. Februar 1882 wird dem Hauptlehrer Bergner für Heizung und Benutzung eines Zimmers zu den Gesangstunden eine Vergütung von jährlich 10 M ausgezahlt."

Das ist leider alles, was wir an Dokumenten in Händen haben: Keine Gründungsurkunde, keine Statuten, kein Vorstand - das alles kommt erst 16 Jahre später. Noch nicht einmal den Übungsraum kennen wir; vermutlich war es das Schulzimmer. Alten Erzählungen zufolge muß dieser anfängliche Kirchenchor aus einer handarbeitenden Mädchen- und Frauengruppe entstanden sein. Ab 1903 verliert sich seine Spur. Aus dem Dunkel seiner Vorgeschichte tritt er erst wieder vier Jahre später. Der 8. November 1907 ist der Tag der Neugründung. Feierlich wird im Protokollbuch auf der ersten Seite niedergeschrieben:

"Heute abend 8 Uhr versammelten sich unterzeichnete Männer und Mädchen von Wiesenbach im Schulzimmer des Hauptlehrers Müller und beschlossen, den in früheren  Jahren bestandenen Kirchenchor wieder ins Leben zu rufen. Diese Neugründung des Chores wird von den hohen Herrschaften auf Schloss Langenzell, dem Ortsgeistlichen Herrn Pfarrer Fuhr, sowie von der ganzen Gemeinde freudigst begrüßt. Dirigent des Vereins ist Hauptlehrer Müller, der sich mit großer Freude und Liebe der Sache annimmt. (1. Vorstand: Georg Echner; 2. Vorstand: August Bruder)".

Im ersten Paragraphen der Statuten definiert der Chor seinen Zweck und Charakter:

"... durch Pflege des kirchlichen Chorgesangs den evangelischen Gemeindegesang zu heben und dadurch zur Förderung des kirchlichen Lebens in hiesiger Gemeinde beizutragen."

Großen Zuspruch  findet diese "Neugründung" - 50 aktive Mitglieder zählte damals der Chor. Bei der ersten Chor-Weihnachtsfeier zeigten sich gleich die zwei Grundlinien des Chores, die sich bis heute gehalten haben:

Singen geistlicher Lieder und geselliges Beisammensein.

So folgte auf den besinnlichen ersten Teil der Weihnachtsfeier der zweite mit Couplets, Sketchen und Theateraufführungen - eine Tradition, die sich bis in die 60er Jahre aufrecht erhalten hat. Die Theatergruppe "Lambefiewa" ging aus dieser Tradition hervor. Doch das Fundament des Chores ist der geistliche Gesang. Er wurde und wird stets mit viel Engagement gepflegt: Singen bei Gottesdiensten, Teilnahme an Bezirksgesangstagen, Konzerten - speziell den  Weihnachtskonzerten - und bei Freundschaftssingen benachbarter Kirchenchöre.

1911 kommt ein weiterer Bestandteil zum geselligen Beisammensein dazu: die jährlichen Tagesausflüge - erst ganz bescheiden zu Fuß - später mit dem Bus und viele Jahre sogar 3-Tages-Reisen über Pfingsten. Der erste Ausflug ist wie folgt beschrieben:

"Abmarsch um ½ 1 Uhr vom Löwen bei 35 Grad Celsius nach Heidelberg, woselbst eine kleine Rast gehalten wurde. Hierauf übers Gebirge nach Ziegelhausen, wo trotz großer Hitze und Müdigkeit dennoch das Tanzvbein kräftig geschwungen wurde. Abfahrt von Ziegelhausen 7 Uhr. Der Ausflug wird uns noch lange in Erinnerung bleiben".       

Auch die politische Geschichte geht am Kirchenchor nicht spurlos vorbei. Von 1914-1920 bringt der erste Weltkrieg die Chortätigkeit zum Erliegen. Die erste Eintragung im Protokollbuch für 1921 beginnt mit den Worten:

"Nach langer Pause, infolge des Weltkrieges von 1914-1918, nahm, anläßlich der Einweihung der Gedenktafel für die gefallenen Krieger in der evangelischen Kirche, am 13. Februar 1921 der Kirchenchor im Januar d. J. seine Tätigkeit wieder auf."

Selbst die große Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre findet im Protokollbuch ihren Niederschlag. Da heißt es in dem Vorstandsbericht vom November 1931:

"Mit Rücksicht auf die jeweils herrschende Notlage wird von einer Gabenverlosung bei der Weihnachtsfeier abgesehen."

Von 1936 bis 1946 fehlen alle Eintragungen. Das Regime des 3. Reiches, der beginnende 2. Weltkrieg und dessen Verlauf lassen den Chor sehr zusammenschrumpfen. Die Männer sind im Krieg, viele von ihnen kommen nicht mehr zurück. Nur einige Frauen versammeln sich weiterhin im Schulhaus zu den Chorproben und singen jeweils an hohen Festtagen im Gottesdienst.

1947 kann der Chor sein 40jähriges Jubiläum im großen Rahmen feiern. Damals sind schon einige der heutigen Sängerinnen und Sänger mit dabei:  Erna Pechwitz, Elisabeth Ingrisch, Annemie Ebinger, Martha Schmitt, Hilde Rung, Gisela Schneider, Käthe Lauer, Erika Schuckert und Gerhard Rung.
 


Ausflug 1953 nach Peterstal in den Schwarzwald

 

 

 

Ausgehend von der ersten Eintragung  im Protokollbuch des Ev. Kirchenchors "Gründung des Vereins 8. November 1907"  feierte der Chor 1982 sein 75jähriges Bestehen.

 

 

    

 

 

 

 

 

    

 

 


 

10 Jahre später stöberte die damalige Pfarrvikarin Esther Kraus in den alten Kirchenbüchern  und entdeckte den eingangs erwähnten Eintrag von 1890/91 im Kirchenalmosenfond. Somit war erwiesen, daß 1890 bzw. 1891 schon ein Chor bestand. Einhundert Jahre waren aber schon vergangen und so konnte erst 1993 das große Jubiläum steigen. Viele Formalitäten waren zu erledigen, zum Beispiel konnte der Antrag auf Verleihung der Zelterplakette gestellt werden. Diese Auszeichnung wurde dem Chor bei dem Festbankett zum 100jährigen Bestehen von Herrn Minister Weiser überreicht.

 

 

 

 

Verleihung der Zelterplakette anläßlich des 100jährigen Bestehens des evangelischen Kirchenchores
 


Immer wieder bewährt sich der Evangelische Kirchenchor im Laufe seiner 110-jährigen Vereinsgeschichte, nichts hat er von den Tugenden früherer Sängergenerationen eingebüßt.

 Die Mitglieder des Chores engagieren sich unentwegt beim Dienst in der Gemeinde, sei es durch ihren Chorgesang, sei es durch ihre helfenden Hände bei Gemeindeveranstaltungen. Seit 1980 ist Frau Gabi Bretzer die Dirigentin des Chores. Heute zählt er ca. 50 Sängerinnen und Sänger, wobei es auch hier leider an Nachwuchs bzw. an Verstärkung jüngerer Stimmen fehlt. Seit geraumer Zeit gibt es einen kleinen Chor mit einigen wenigen jungen Stimmen auch unter der bewährten Leitung von Frau Gabi Bretzer.

Siegrid Emig ehemals Rinneberg


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